Der verschollene Kaufbrief…

Wir hatten den Eindruck, dass man in Schweden Ausländern gegenüber bei Geschäften doch eher misstrauisch ist. Vielleicht liegt es aber auch nur wieder am schon erwähnten Geldwäschegesetz. Wer weiß das schon so genau? Jedenfalls sicherte sich die Bank beim Einrichten eines Kontos für unsere (Haus-)zwecke nach allen Regeln der Kunst ab. Nicht der Personalausweis reichte, um unser Konto zu eröffnen, auch nicht der eigens dafür neu ausgestellte Reisepass und zusätzlich umgerechnet 500 Euro Gebühren bei der Sofortüberweisung unseres Gelds bei Bezahlung unseres Hauses im Maklerbüro am Tag der Schlüsselübergabe. Das alles hätte nach unserem Ermessen doch schon längst reichen müssen, schließlich sind wir ja eine ganz normale deutsche Familie, aus einem EU und Nachbarstaat und nicht irgendwelche Unterhändler aus zwilichtigen Drogenstaaten sonst irgendwo auf der Welt. Nein, die Bank wollt auch noch unseren Kaufbrief im Original sehen. Der musste in demselben eingereicht werden. Daher ging der Kaufbrief nicht direkt zur Landmäteri, dem schwedischen Grundbuchamt, sondern zunächst zur Bank, die den Kaufbrief anschließend an die Landmäteri weiterleiten sollte…

Wir wurden schon vorgewarnt, dass die Eintragung in den Register der Landmäteri eine ganze Weile dauern könnte. 3-4 Monate seien keine Seltenheit, es dauere schon auch einmal bis zu einem halben Jahr. Im Frühjahr begannen wir dann also ca. 5 Monate später, dort regelmäßig telefonisch anzuklopfen, ob unser Kaufbrief denn inzwischen eingetroffen sei. Leider wurde uns jedes Mal, zwar sehr freundlich, aber dennoch klar gesagt, dass man dort von keinem Kaufbrief wüsste. Nach dem dritten Mal riefen wir daher den Makler an. Dieser versicherte, den Kaufbrief an die Bank weitergeleitet zu haben, schließlich ist das ja eine amtliche Sache und auf dem Kaufbrief standen neben unseren Unterschriften auch die der Verkäufer und zweier Zeugen (Mitarbeitern aus dem Maklerbüro). Er sagte, er wolle ich darum kümmern und bei der Bank nachfragen. Nach mehreren Anrufen unsererseits musste er uns mitteilen, das der Kaufbrief dort wohl irgendwo verschollen sei. Inzwischen war es Mai und die jährliche Grundsteuer wurde fällig und wir bekamen eines Abends einen Anruf unserer Verkäuferin, die vom Skatteverk (Finanzamt) die Aufforderung erhalten hatte, die jährliche Grundsteuer zu überweisen. Nun war es also wirklich dringlich. Wir baten Sie, sich selbst auch noch einmal beim Makler zu melden. Auch wir riefen in den nächsten Tagen wieder dort an. Der Makler schlug vor, die ganze Prozedur noch einmal durchzuführen und schickte uns am nächsten Tag den Vertrag erneut zu. Wir unterschrieben, als er bei uns in Deutschland ankam, dieses Mal in zweifacher Ausfertigung und schickten alles an unsere Verkäuferin per Einschreiben, damit auch nichts mehr passieren konnte. Diese war aufgefordert, für beide Verkäuferunterschriften zu sorgen und alle an den Makler zu schicken, welcher schließlich noch die Unterschriften der beiden Zeugen daruntersetzen lies. Dieses Mal schickte er einen der Kaufbriefe selbst zur Landmäteri und tatsächlich bekamen wir dann kurz vor unserem Sommerurlaub Post, dass wir nun als Besitzer eingetragen sind. Uff! Es hat uns einige Nerven gekostet. Aber wie heißt es so schön Ende gut- alles gut! Nun konnten wir die nächste Herausforderung angehen, die Beantragung einer Samordningsnummer. In Schweden hat ja jeder Einwohner seine Personnummer, die ihn eindeutig ausweist und die überall, wirklich überall angegeben werden muss. Sie ist Sozialversicherungsnummer, Krankenversicherungsnummer, die Nummer die man angibt, wenn man bei der Telefongesellschaft einen Vertrag schließt oder beim Entsorgungsunternehmen die Müllabfuhr bestellt, wenn man eine Versicherung für das Haus abschließt und und und… Eine Personnummer bekommt aber nur, wer mindestens ein Jahr in Schweden lebt und über einen Arbeitsvertrag verfügt und/oder genügend Kapital nachweist, um längere Zeit überleben zu können. Ausschlaggebend ist also vor allem, dass man seinen Wohnsitz hier hat. Wer also zwar ein Haus besitzt, aber nicht seinen ständigen. Wohnsitz hier hat, kann keine Personnummer bekommen und ohne Personnummer ist man also vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Wir haben also unsere ganze Hoffnung in die Samordningsnummer gesetzt, die in manchen Fällen, vor allem wenn es um Kontakt mit Ämtern geht, als Ersatznummer dienen kann. Unsere Hoffnung war, dass wir damit einen guten Internetvertrag bekommen könnten. Ob dies geklappt hat, erfahrt ihr in einem der nächsten Beiträge…

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