Die Entscheidung…

Wie alles im Leben geht dann doch nicht immer alles nur glatt. Wir hatten unser Haus gefunden, aber gekauft noch lange nicht. Zunächst galt es noch ein paar Hürden zu überspringen. Manche schienen unüberwindbar, denn das schwedische Gesetz machte uns nicht alles leicht. Zwar ist es grundsätzlich möglich als EU-Bürger in Schweden ein ein Haus zu kaufen, doch in der Praxis gibt es dann doch einige Schwierigkeiten.

Als wir dem Makler ein Angebot abgaben und er uns ein paar Tage später mitteilte, dass die Verkäufer das Angebot annehmen, waren wir überglücklich. Es folgten zahlreiche Mails und Telefongespräche mit dem Maklerbüro und es stellte sich heraus, dass wir zur Bezahlung ein schwedisches Konto brauchten. Das Geldwäschegesetz ist so streng geworden, dass es nicht mehr möglich ist, in Schweden ein Haus von einem Europäischen Konto per IBAN-Überweisung zu bezahlen. Im Vertrag musste alles so gestaltet werden, dass am Tillträdedag (dem Zutrittstag) unser Geld direkt bei der Übergabe des Kaufbriefs von unserer schwedischen Bank auf das Konto der Verkäufer überwiesen wird. Bis dahin war es noch ein weiter Weg.

Wir machten uns also von Deutschland aus auf die Suche nach einer Schwedischen Bank, die uns ein Konto gibt. Handelsbanken, Nordea, Sparbanken Skåne, Svedbank und SEB. Überall die gleiche Auskunft: „Sie brauchen eine schwedische Personennummer!“. Ohne diese geht in Schweden fast nichts. Blöd, dass man diese nur bekommen kann, wenn man mindestens ein Jahr in Schweden gearbeitet und eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung hat. Wir teilten unserem Makler die Probleme mit und besprachen, recherchierten, telefonierten immer wieder und suchten nach Lösungen. Er hielt Rücksprache mit den Juristen von Svensk Fastighetsförmedling und teilte uns schließlich mit, dass er den Kaufvertrag mit Ausstiegsklausel gestalten würde, falls es uns nicht gelingen sollte, ein schwedisches Konto zu eröffnen. Gleichzeitig nahm er zur SEB Bank Kontakt auf und schaute, was er für uns tun könnte. Ohne ihn hätten wir es letztlich nicht geschafft. Albin Mauritzson war eine große Hilfe. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir doch noch ein Bankkonto eröffnen konnten.

Zunächst stand aber die Vertragsunterzeichnung an. Eine Wochen nachdem wir aus unserem Urlaub mit dieser großen Entscheidung zurückgekehrt waren, hatten wir einen Termin beim Makler in Kristianstad, um dort die Verkäufer zu treffen. Meine Eltern kamen übers Wochenende, weil wir natürlich den Kindern diese lange Fahrt nicht wieder zumuten wollten. Gunter und ich fuhren Freitag spätnachmittags nach Gunters Arbeit mit einem zum Campingbus umfunktionierten Multivan los, in dem wir kurze Schlafpausen einlegen konnten. Denn das Ziel war, die Nacht weitgehend durchzufahren, um am Samstagnachmittag um 14 Uhr den Vertrag zu unterzeichnen. Euphorisch, aber auch aufgeregt fuhren wir los.

Die erste Pause brauchten wir in Norddeutschland und konnten dann bis Puttgarden vollends durchzufahren. Gemütlich war es nicht wirklich, vielleicht waren wir auch zu aufgeregt, jedenfalls fanden wir nicht viel Schlaf. Immerhin genügend, um weiter zukommen. In Puttgarden auf der Fähre war nichts los. Gerade mal einen Kaffee konnte man bekommen. Dazu musste Abstand gehalten und Maske getragen werde, wie überall im Coronajahr. In Dänemark dann der zweite Stopp. Als wir über die Öresundbrücke fuhren wurde es schon wieder Morgen. Wir beschlossen bis Åhus ans Meer zu fahren und dort die Sonne zu genießen, denn wir waren noch viel zu früh dran, um weiter nach Kristianstad zu fahren….

Da wir mit einigem Zeitpuffer etwas früher in Kristianstad waren, suchten wir nach einer netten Gelegenheit, etwas zu essen und fanden diese direkt neben dem Maklerbüro: “ Conditori Duvander“. Wir sollten noch öfters kommen…

Conditori Duvander

Um 14 Uhr trafen wir dann beim Makler die andere Partei. Es lief alles reibungslos, nicht zuletzt, weil man sich sympathisch war und ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache hatte. Die Verkäufer boten uns an, den gesamten Inventar für 20000 SEK (ca. 2000€) zu übernehmen, was wir gerne machten. Denn die Möbel waren schön und noch fast neu und wir mussten diesbezüglich erst einmal nichts beschaffen. Die Verkäufer wurden über die Klausel im Vertrag aufgeklärt, uns wurde das, was wir auf schwedisch nicht verstanden hatten, ins Englische übersetzt und wir unterzeichneten.

Jetzt war nur die Schwierigkeit mit dem Bankkonto noch nicht geklärt. Wieder zu Hause telefonierte Gunter mit einem Berater der SEB Bank und erhielt die Information, dass wir zur Eröffnung eines Kontos persönlich erscheinen mussten. Albin hatte mit ihm Kontakt aufgenommen und unsere Situation erklärt. Wir mussten jetzt jede Menge Papierkram erledigen unsere deutschen Konten offenlegen und brauchten die Bestätigung unserer Bank, dass wir gute Kunden sind.

Also fuhr Gunter zwei Wochen später wieder am Wochenende 17 Std. mit dem Zug nach Malmö, wo er ein Hotelzimmer und ein Mietauto nahm, um am nächsten Montag das Konto bei der SEB zu eröffnen. Ausgestattet mit allen Papieren, die die schwedische Bank als Sicherheit sehen wollte aber ohne Reisepass, den er eigentlich gebraucht hätte, trat er den Termin an. Gunter musste sich verpflichten seinen und meinen Reisepass bei der nächsten Gelegenheit nachzureichen. Wir hatten natürlich keinen gültigen mehr. Wer braucht schon einen Reisepass. Also wurde in der Zwischenzeit noch für jeden ein neuer Reisepass beantragt, der dann bis zum Tillträdedag ankommen musste. Der Termin in der Bank verlief ansonsten reibungslos. Danach trat Gunter die Heimreise an mit einem voll funktionsfähigen Konto, das allerdings noch vorläufig war…

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